Frankreich im Jahr 1789. Der Adel feiert, die Bürger murren. Und zwischen allen Stühlen: der Dichter André Chénier. Geliebt von den Reichen für seine einfühlsamen Verse, im Herzen aber ein Revolutionär.

Gezeichnet vor dem Hintergrund der Französischen Revolution ist André Chénier, uraufgeführt 1896 an der Mailänder Scala, ein historisches Drama von brillanter Schärfe und eine menschliche Tragödie von erschütternder Intensität; packend gleichermaßen als leidenschaftliches Liebesdrama und als historischer Krimi. Zentrale Gestalt ist der gleichnamige französische Dichter, der in den Wirren der französischen Revolution vom glühenden Anhänger zum erbarmungslos Verfolgten wird und am Ende selbst auf der Guillotine endet.

Der Bodensee als Badewanne. Regisseur Keith Warner und Bühnenbildner David Fielding wählten Der Tod des Marat, das bekannteste Gemälde des Revolutionsmalers Jacques-Louis David, als Basis, Inspiration und Symbol für ihre Inszenierung von André Chénier. Erstmals dient damit ein historisches Gemälde als Vorlage für die Bühnenkulisse im Bodensee: Sie zeigt den radikalen Revolutionsführer Jean-Paul Marat, der 1793 von einer Anhängerin der Gegenpartei in seiner Badewanne erstochen wurde. In Bregenz spielt der Bodensee die Rolle der Badewanne für die 24 Meter hoch aus dem Wasser ragende Figur. 154 Treppenstufen führen über die Brust Marats bis zu seinem Gesicht. Allein der Kopf des Riesen wiegt 60 Tonnen.

Flammender Überschwang der Gefühle. Giordanos Musik, getragen von jähzorniger Begeisterung und flammendem Überschwang der Gefühle, gipfelt in einer Hymne an die Brüderlichkeit, an die Liebe und an die Befreiung durch den Tod. Giordano ließ in seine Musik historische Tänze und Märsche aus der Zeit vor der Französischen Revolution genauso einfließen wie bekannte Revolutions-Klänge, darunter das „Ça ira“ und die „Marseillaise“. Ergreifende Arien und atemberaubende Duette verleihen der Oper ihren einzigartigen Charakter.

Der italienische Komponist Umberto Giordano und sein Librettist Luigi Illica übersetzten den Namen des französischen Revolutionärs und Titelhelden der Oper André Marie Chénier in die italienische Sprache. Aus dem französischen Männervornamen André wurde der italienische Männervornamen Andrea, im Original heißt die Oper deswegen "Andrea Chénier". In Bregenz wird die Oper unter dem Titel der historisch korrekten Personenbezeichnung  als "André Chénier" gezeigt ohne Nennung des zweiten Vornamens Marie. Der Revolutionär und Dichter wurde 1762 in der Nähe von Konstantinopel (das heutige Istanbul) geboren und 1794 in Paris auf der Guillotine hingerichtet.