2012 jährt sich der Todestag von Emanuel Schikaneder, gewiss einer der originellsten und einflussreichsten Theatermacher seiner Generation, zum 200. Mal. Ohne ihn wären wir um ein Meisterwerk ärmer, das bekanntlich u.a. Goethe mit einer Fortsetzung versehen wollte. Weniger bekannt ist, dass Schikaneder selbst einen zweiten Teil der Zauberflöte unter dem Titel Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen schrieb. Dieses im Unterschied zu Goethe auch vollendete Werk gab Schikaneder dem damals in Wien gefeierten bayerischen Komponisten Peter von Winter zur Komposition. Und wer außer Schikaneder konnte schließlich wissen, wie es weitergeht mit den Protagonisten der Zauberflöte? – Die Königin der Nacht versucht weiterhin – im Verein mit Monostatos –, ihre Tochter zurückzuholen, Papageno findet seine Familie wieder, und Sarastro fährt schweres Geschütz auf, um seinen Willen durchzusetzen.

Regisseurin Alexandra Liedtke und Bühnenbildner Raimund Voigt zeigen die seinerzeit ungeheuer erfolgreiche Oper nicht in einem konventionellen Theaterraum, sondern in Anknüpfung an die Tradition als Volkstheater im Residenzhof – Ivor Bolton dirigiert das Mozarteumorchester Salzburg. „Mit der genauen Kenntnis des Publikums von der Zauberflöte und den Erwartungshaltungen umzugehen, halte ich für unbedingt notwendig. Mich reizt am Labyrinth die Fortführung der Geschichte, die Ausarbeitung der Figuren und die daraus entstehende Ambivalenz. Während die Protagonisten in Mozarts Zauberflöte noch einem einfachen, sehr strukturierten Wertesystem zugeordnet werden können, beginnt sich diese Eindeutigkeit in Schikaneders Fortsetzung aufzulösen. Das ,Gute‘, für das Sarastro, Tamino und Pamina stehen, muss sich nicht nur gegen das ,Böse‘ durchsetzen, sondern es wird an sich infrage gestellt. … Obwohl ich in den Figuren viele, auch uns nur allzu bekannte Eigenschaften sehe, werde ich Das Labyrinth so wie Schikaneders Libretto als ein großes Märchen erzählen, in dem das Beispielhafte und Spielerische im Vordergrund stehen“, erläutert die Regisseurin.

Foto: Ausschnitt aus dem Stadtplan von Wien von Maximilian von Grimm mit dem Theater im Freihaus, 1797, © Wien Museum