Die Verwundung König Amfortas’ mit dem Heiligen Speer hat die Macht der Gralshüter schwer beschädigt. "Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug." Doch der Speer wurde von Klingsor geraubt. Sein Zauberschloss ist umzingelt von Blumenmädchen, in deren Fängen die Helden auf dem Weg zu Klingsor zugrunde gehen. Einzig der "reine Tor" vermag den Gralshütern den heiligen Speer zurückzubringen. Schon in den Armen von Kundry, wird er im letzten Moment an seine Mission erinnert. Er spürt die Verwundung Amfortas’ in seinem Herzen und wird "durch Mitleid wissend".
Noch einmal ist der Erlösungsgedanke in Richard Wagners letztem Bühnenwerk von zentraler Bedeutung. Mit dem Dualismus von Leiden und Erlösung, Moral und Erotik, Religion und Atheismus berührt Wagner in seinem "Bühnenweihfestspiel" die großen Themen des 19. Jahrhunderts und erhebt zugleich einen religiösen Anspruch für die Kunst. Roland Aeschlimann übersetzt Wagners musikalisches Mysterium in ein synästhetisches Klang-Raum-Erlebnis.

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