Die Oper Ariadne auf Naxos kreist um die Selbst-Begegnung einer um ihre verratene Liebe trauernden Frau. Die ursprünglich als Einakter konzipierte Oper Ariadne auf Naxos kreist um die Selbst-Begegnung der um ihre verratene Liebe trauernden Ariadne mit den Gespenstern ihrer Einsamkeit. Das Erscheinen der leichtlebigen Zerbinetta führt zu einer”Gegenüberstellung der Frau, die nur einmal liebt, und der, die viele Male sich gibt“(Hofmannsthal).

Bei der Uraufführung 1912 in Stuttgart wurde das Werk mit Molières Bürger als Edelmann gekoppelt. Doch auch die Inszenierung durch Max Reinhardt konnte nicht verhindern, dass die Autoren nur einen Achtungserfolg errangen. Sie entschieden daher, ihre Ariadne aus der Verbindung mit der Molière-Komödie wieder zu lösen und ihr ein”Neues Vorspiel“voranzustellen. In dieser 1916 erstaufgeführten Form wurde sie zu einer der beliebtesten Strauss-Opern. Ihr Novum besteht im Spannungsverhältnis ihrer beiden Teile. Im”Vorspiel“haben die Autoren den heute allerorts betriebenen Abbruch der Enklaven der Kunst vorweggenommen: ein albtraumhaftes Scherzo über die Situation des dem Markt preisgegebenen Künstlers. Die”Oper“ist ein lyrisches Drama über die traumatische Verletzung einer Liebenden, die im Gefängnis ihrer Einsamkeit zu überleben versucht. Beide Teile stellen aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage nach der Möglichkeit menschlicher Existenz in einer Welt scheinhaft gewordener Kommunikation und realer gesellschaftlicher Vereinsamung.

 

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