Gounods Faust ist französische Oper pur. Goethes deutscher Gelehrter verwandelt sich unter den Händen des begnadeten französischen Melodikers in einen Greis, den nicht mehr Welterkenntnis, sondern die Sehnsucht nach einem nie gelebten Leben umtreibt. Eifersüchtig auf die Jugend anderer lässt er sich auf einen Paktmit demTeufel ein und stürzt sich – von diesem in einen jugendlichen Liebhaber verwandelt – in das erste Liebesabenteuer seines Lebens. Das kann natürlich nicht gut ausgehen: Vom Teufel angestiftet, schwängert er die unschuldige Marguerite, verlässt sie und das Kind, besucht die zum Tode Verurteilte aber schließlich doch im Gefängnis. Die fest in ihremGlauben verankerte Geliebte zieht einer Flucht unter Mithilfe des Teufels jedoch den Tod vor. Der Chor erklärt ihre Seele gerührt für gerettet.
Das Werk verbindet Elemente der Opéra lyrique mit denen der Grand opéra, kombiniert groß angelegte dramatische Szenen mit rührenden intimen Begegnungen und effektvollen Chorszenen, aber auch populären Formen wie Couplets, Märschen, Chorälen und Walzern. Ihrer zwingenden Wirkung ist ebenso wenig zu entkommen wie der Tragik der Liebesge-
schichte.

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