Theater ermöglicht Begegnungen von Zeiten, Kulturen, Menschen. Im schönsten Fall bietet es den Raum für ein Experiment, bei dem sich ganz unterschiedliche Materialien zu einem neuen, faszinierenden Stoff legieren.

Schnee ist ein 1999 erschienener Roman des französischen Schriftstellers Maxence Fermine. Er spielt Ende des 19. Jahrhunderts in der ewigweißen, strengen Winter-Kälte des japanischen Nordens. Der junge Haiku-Dichter Yuko Akita schlägt die Priester-Laufbahn aus und macht sich auf gen Süden, um die Farben kennen zu lernen - eine Welt, die ihm nach einer langen Reise ein blinder Meister eröffnet. Fortan pendelt er zwischen Nord und Süd, zwischen Eis und Regenbogen, zwischen Liebe und Tod. Eine berührende, enorm poetische Geschichte.

Catherine Kontz ist eine Luxemburger Komponistin, die in London lebt. Sie verbindet in ihren Arbeiten Theater, Musik, Performance und Tanz. Mehr als zwei Jahre hat sie an der Vertonung von Schnee gearbeitet, bei der Realisierung wird sie mit ihrer langjährigen künstlerischen Weggefährtin Ellan Parry zusammenarbeiten, die für Ausstattung, Licht und Dramaturgie verantwortlich zeichnet.

Fünf Sänger, ein kleiner Frauenchor, ein Tänzer und ein Akrobat vereinigen sich mit einem 14- köpfigen Orchester, darunter eine (ausgesprochen selten gespielte) Glas-Harmonika und eine Taiko-Trommel. Catherine Kontz, die bei ihren Arbeiten stets selbst die Regie übernimmt, verbindet Elemente des Kabuki-Theaters mit einer musikalischen Seelenlandschaft, versöhnt Dichtkunst, Avantgardemusik und vielfältige asiatische Kunstformen. Man darf auf die Legierung, die daraus entsteht, gespannt sein.

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