Händel griff mit seiner 1735 in Covent Garden uraufgeführten Opera seria in eine bevorzugte Fundgrube barocker Stoffe: Die mehrmals veroperte Dichtung «Orlando Furioso» von Ludovico Ariosto, welche im rauen und düsteren Schottland des 16. Jahrhunderts spielt.

Zwei Männer lieben dieselbe Frau (die Männer: die Ritter Ariodante und Polinesso; die Frau: Ginevra, Tochter des Königs von Schottland); der Abgewiesene intrigiert (Polinesso täuscht vor, dass Ginevra seine Geliebte sei und tut dies mit Hilfe einer Frau, die wiederum in ihn verliebt ist); eine unschuldige Frau wird der Untreue bezichtigt (Ginevra wehrt sich nicht, ihr Vater enterbt sie); ein Gottesurteil löst den Konflikt (in einem mittelalterlichen Ritterkampf wird Ginevras Ehre wiederhergestellt). Liebe, Eifersucht, Intrigen, Neid, Verrat bestimmen das Geschehen und trotz tiefromantischer und hochdramatischer Verwicklungen besticht Händels barockes Kleinod durch Klarheit und Dichte; ein ideales dramatisches Gerüst für eine Vielzahl von eingängigen Bravourarien, die einen artifiziellen Zauber über das Werk legen.

Mit «Ariodante» gibt Stefan Pucher sein Operndebüt. Der erfolgreiche Schauspielregisseur inszeniert an Häusern wie dem Schauspielhaus Zürich, dem Thalia Theater Hamburg, dem Burgtheater Wien und wurde mit seinem «Tod eines Handlungsreisenden» zum Berliner Theatertreffen 2011 eingeladen. In Basel begeisterte Stefan Pucher bereits mit Arbeiten wie «snap shots», «Der Kirschgarten» und «Onkel Wanja». Mit Andrea Marcon steht ihm ein wohlbekannter Spezialist für Alte Musik zur Seite, der für seine herausragenden Interpretationen des «L’Orfeo», «Orlando Furioso» und «La Calisto» in Basel grosses Lob bei Publikum und Presse erntete.